Die schwedische Westküste: Was niemand erwartet — Robben, Schweinswale und eine Küste, die bleibt


Das erste Mal war ich draußen auf den Inseln vor Göteborg — Rörö, Öckerö, das Archipel, das direkt vor der Stadt liegt und trotzdem eine andere Welt ist. Warmer Granit, der im Abendlicht rötlich leuchtet. Flechten und Moos auf den Felsen, dazwischen Brombeeren, Möwen, irgendwo ein Schaf. Und dann, kaum dass wir den Motor gedrosselt hatten: ein Seehund, der sich von unserem Boot überhaupt nicht beeindrucken ließ. Kopf hoch, Blick zu uns, dann weiter dösen.

Da hab ich verstanden, dass das hier eine andere Art von Schweden ist.


Die Westküste, die du nicht erwartest

Wenn Deutsche an Schweden denken, denken sie an Stockholm. An Seen, an Wälder, an vielleicht Lappland. Die Westküste — Bohuslän, die Schärenküste von Göteborg bis Strömstad — kommt in diesem Bild kaum vor. Und das ist ein Fehler.

Bohuslän ist nicht sanft. Aber es ist auch nicht grau und karg, wie man es vielleicht aus Fotos kennt. Die Felsen hier — Gneis und Granit, glatt geschliffen von der letzten Eiszeit — haben im richtigen Licht einen warmen, rötlichen Ton. Bedeckt mit Flechten, Moos, Brombeerbüschen. Auf manchen Inseln grasen Schafe, die die Vegetation kurzhalten. Vögel nisten in den Ritzen. Das Wasser ist kalt, auch im August. Der Wind kommt direkt vom Atlantik.

Und in diesem Wasser lebt mehr, als die meisten Besucher ahnen.



Robben: Alltag an der schwedischen Westküste

Schweden hat rund 35.000 Kegelrobben und Seehunde — und ein guter Teil davon lebt an der Westküste. Sie sind nicht scheu. Sie kommen in Häfen, liegen auf Bootsstegen, dösen auf Felsen direkt neben Anlegestellen. Ich hab Robben beim Surfen getroffen, beim Schwimmen, beim einfachen Rausfahren. Sie schauen, sie bleiben, sie verschwinden irgendwann wieder — zu ihren Bedingungen.

Das ist kein Wildlife-Erlebnis, das man buchen muss. Es passiert einfach. Auf Felsen, als Gruppe. Im Wasser, nur der Kopf sichtbar. Im Hafen von Smögen um fünf Uhr morgens. Wer zum ersten Mal mit einer Robbe im selben Wasser schwimmt, sagt danach nichts mehr über Schweden als langweilig.

Es gibt organisierte Robbensafaris — zum Beispiel von Grebbestad oder Kungshamn aus. Aber ehrlich gesagt ist die beste Begegnung die ungeplante.



Schweinswale: Nicht selbstverständlich, aber möglich

Das überrascht die meisten am meisten. Wale in Schweden — das klingt nach falscher Reiseführer-Info. Aber: Schweinswale (Phocoena phocoena) sind in der Nordsee und entlang der schwedischen Westküste keine Seltenheit. Kleiner als man sich Wale vorstellt, aber eindeutig und unverwechselbar, wenn sie neben dem Boot auftauchen.

Keine Garantie. Kein geführter Ausflug mit Sichtungsversprechen. Aber wenn du genug Stunden auf dem Wasser bist — und ich bin viele davon — dann ist es keine Frage des Ob, sondern des Wann.

Ich hab Schweinswale nicht in Kanada gesehen oder auf Island. Ich hab sie in Bohuslän gesehen. Das sagt alles.



Das alte Meer

Es gibt etwas an diesem Küstenstreifen, das schwer zu benennen ist — etwas, das ich nur als altes Meer beschreiben kann. Die Felsen sind nicht dekorativ. Sie sind massiv, horizontal geschichtet, uralt. Im Abendlicht bekommen sie eine warme, rötliche Farbe — weniger das kühle Grau, das man erwartet, mehr etwas Erdiges, Lebendiges. Flechten, Moos, Brombeeren in den Ritzen. Vögel, die nisten, wo sie wollen. Manchmal Schafe, die lautlos zwischen den Felsen stehen.

Das Licht im Frühjahr und Herbst fällt anders als im Sommer — rauer, seitlicher, weniger golden. Man sitzt auf einem solchen Felsen und merkt, dass man nicht auf einer Kulisse sitzt. Dass dieser Ort schon so war, bevor irgendjemand einen Urlaub hier geplant hat.

Das ist der Unterschied zwischen Bohuslän und, sagen wir, einer Mittelmeerküste. Hier fühlt man sich nicht wie ein Besucher, der eine Landschaft konsumiert. Man fühlt sich wie jemand, der eingetreten ist.


Was du an der Westküste erleben kannst — konkret

Boot fahren — ohne Führerschein. In Schweden braucht man für Motorboote bis zu einer bestimmten Leistungsgröße keinen Bootsführerschein. Das unterscheidet Schweden von vielen anderen Ländern und macht die Schären für alle zugänglich. Bootsverleihe gibt es in Fjällbacka, Grebbestad, Kungshamn und direkt vor Göteborg auf den Öckerö-Inseln. Trotzdem gilt: Seezeichen kennen, Wetter einschätzen können, Sicherheitsausrüstung an Bord. Der fehlende Schein ist keine Lizenz zur Unvorsichtigkeit.

Das Göteborg-Archipel — der unterschätzte Einstieg. Direkt vor der Stadt liegen die Inseln rund um Öckerö und Rörö — mit der Fähre in dreißig Minuten erreichbar, aber eine andere Welt. Warmer Granit, kaum Autos, Robben in den Häfen. Wer die Westküste zum ersten Mal erleben will, fängt hier an. Die südlichen Inseln des Göteborg-Archipels — Brännö, Styrsö, Vrångö — sind zum größten Teil autofrei. Keine Straßen, keine Motorengeräusche, nur Fahrräder und Fähren. Das ist kein Konzept, das man als besonders anpreist — das ist einfach, wie es dort ist.

Makrelenfischen. Nicht das ganze Jahr, aber in den Sommermonaten zieht die Makrele an der Westküste durch. Angeln vom Boot, vom Steg, von der Klippe — mit einfachstem Gerät, ohne viel Vorbereitung. Für viele Besucher ist das die erste direkte Begegnung mit dem Meer als Nahrungsquelle. Frisch, einfach, gut.

Seekajak. Bohuslän ist eine der besten Seekajak-Regionen Europas — kein Marketingversprechen, sondern die Einschätzung erfahrener Paddler. Tausende von Inseln, ruhige Durchfahrten, Anlegestellen auf unbewohnten Felsen. Allemansrätten gilt auch auf dem Wasser.

Die äußeren Schären. Wer wirklich rauswill: Die äußersten Inseln — Tjurpannan, Väderöarna, die Inseln rund um Sotenäs — sind fast unbewohnt. Keine Restaurants, keine Infrastruktur. Nur Felsen, Wind, Möwen und Robben. Ganzjährig mit Fähren erreichbar.

Frühjahr und Herbst statt Sommer. Im Juli ist die Küste schön und voll. Im April und September ist sie leer, die Tiere sind näher, das Licht ist besser. Wer fotografiert oder einfach das Ursprüngliche sucht, kommt nicht im Hochsommer.


Warum ich darüber schreibe

Ich lebe in Göteborg. Ich surfe an dieser Küste, ich fahre Boot, ich fotografiere hier. Die Westküste ist nicht mein Thema, weil sie touristisch attraktiv ist — sie ist mein Thema, weil sie zeigt, was Schweden abseits der erwartbaren Version ist.

Deutsche, die nach Schweden kommen, suchen oft eine bestimmte Idee. Ordnung, Natur, Abstand. Was sie in Bohuslän finden, ist etwas anderes — echter, wilder, weniger kuratiert. Und meistens sind sie danach stiller als vorher.

Das ist der Unterschied, den ich ihnen zeigen möchte.


Willst du die Westküste selbst erleben?

Wenn du planst, die Region zu erkunden — ob als Urlauber, als jemand, der über einen Kauf nachdenkt, oder einfach, weil du verstehen willst, ob Schweden das Richtige für dich ist — schreib mir. Ich kenne die Küste, ich kenne die Saison, ich kenne die Orte, die nicht im Reiseführer stehen.

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Sebastian Schiefner ist Fotograf und lebt seit 2022 in Göteborg. Er surft, segelt und fotografiert die schwedische Westküste. Nordabenteuer ist seine Plattform für Deutsche, die den Schritt nach Schweden wagen.

Sebastian

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For my customers, businesses & individuals, I am providing vibrant portrait, lifestyle and product photography in Göteborg and all of europe.

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